Besser reiten mit der Feldenkrais Methode

 

Die Zeit, die man auf Selbstbeobachtung beim Handeln verwendet – und jedes Handeln ist Bewegung – ist geringfügig, gemessen an der Verfügbarkeit und Gewandtheit des Könnens, die dadurch entstehen." Moshe Feldenkrais

Die Feldenkrais Methode hilft auf angenehme Art und Weise die eigenen Bewegungsmuster zu erkennen, verschiedene Lösungen für ein Thema zu finden und die Wahrnehmung für die Bewegungen des Pferdes zu schulen. Sie hilft im Sattel zu fühlen, wo die Bewegungen fliesend durchlaufen und in welchen Bereichen sie gestört sind. Sei es im eigenen Körper oder in dem des Pferdes. Neue Bereiche der Kommunikation über die Hilfen entstehen zwischen Pferd und Reiter. Wird die Wahrnehmung feiner und die Lösungswege vielfältiger, kann auch die Sprache leiser, also feiner werden. Und die Wirkung größer.

Diese Art des Reitens verlangt eine andere Art Wachheit im Reiter. Ein Wach sein im eigenen Körperbild, im eigenen Tun und Empfinden. Je bewusster man sich der eigenen Gewohnheiten wird, desto besser kann man auch sein Pferd einschätzen. Das Pferd ist der Spiegel des Reiters. Es entsteht durch das eigene Bewusstsein und das Erkennen neuer Wege eine harmonischere Einheit zwischen Reiter und Pferd.

Die Feldenkrais Methode zeigt uns ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten, hilft Verbindungen im eigenen zu Körper zu finden und schafft mit ungewohnten Bewegungen neuen Bewegungsspielraum. Leistung und Komfort steigen, für Pferd und Reiter.

Bewusstheit durch Bewegung
Lektionen in Bewusstheit durch Bewegung = Awarness trought movemet (ATM) sind Anleitungen mit denen der Schüler selbständig experimentieren und forschen kann. Die Anleitungen sind ein Angebot, sich mit dem Zusammenspiel verschiedener Körperteile und des Atems zu beschäftigen. Sich selbst, seine Gewohnheiten und Alternativen kennen zu lernen. Interessant ist, herauszufinden, welche Körperteile in welcher Reihenfolge an einer Bewegung teilnehmen. Gibt es eine durchgehende Bewegungskette, oder „überspringt“ die Bewegung bestimmte Bereiche? Gewohnte Bewegungen werden genauer betrachtet, ungewohnte ausprobiert. So entsteht eine größere Vielfalt von Bewegung  und Beweglichkeit.

Lektion auf dem Pferd
Oft bemerkt man andere Gewohnheiten auf dem Pferd als am Boden. Auf dem stehenden Pferd und auch in Bewegung wird das Bewusstsein für Veränderung durch die Reaktion des Pferdes verstärkt. Das Pferd wird von der ersten Bewegung an mitgearbeitet und spiegelt den Lernerfolg sofort.
Die Voraussetzungen sind ein Pferd, dass seine Reiter gut im Stehen tragen kann. Die Anforderungen an das eigene Körpergefühl sind größer als auf dem Boden, da die Haltearbeit, Boden liegend leichter aufgegeben wird. Darum werden die Lektionen kürzer gehalten, und Schrittpausen eingelegt. Das Pferd wird während den Lektionen meist gehalten, bzw. geführt.

Lektion am Boden
Die Lektionen am Boden ermöglichen ein Erkennen der gewohnten Bewegungsmuster und das Entdecken eines neuen Spielraums mit bester Ausnutzung der Schwerkraft. Das Gewicht kann einfacher an den Boden abgegeben werden. JE geringer die Grundspannung ist, desto feiner wird die Wahrnehmung. Und natürlich ist die Konzentration auf sich selbst leichter, da man nur die Verantwortung für sich selbst trägt und nicht gleichzeitig für das Pferd. Sie sind im Liegen, Sitzen oder auch im Stehen möglich.

Ob nach einer Lektion am Boden oder auf dem Pferd, das anschließende Reiten findet erst im Schritt, evtl. auch geführt satt, so dass Genug Zeit ist genau hin zu hören, was an Veränderungen möglich wurde. Im eigene Körper und im Pferd.

Das Pferd spiegelt uns in unseren Bewegungs- und Haltegewohnheiten. So kann es sinnvoll sein, auch dem Pferd etwas Körperarbeit vor oder auch nach dem Reiten zu geben. Die Pferde genießen diese liebevolle Arbeit sehr. Je mehr Gefühl ich für meine eigenen Körper, und sein Zusammenspiel habe, desto besser kann ich dem Pferd seinen Spielraum zeigen.

Feldenkrais für Pferde
Oft macht es Sinn das Pferd einzubeziehen. So kann der Reiter spüren, wie das Pferd seine Bewegung an ihn weitergibt, wo Blockaden im Bewegungsfluss sind, und wie sie sich evtl. lösen lassen. Das Verständnis des Reiters für das Verhalten seines Pferdes wird besser. Kommunikation entsteht über die Bewegung, und damit Lösungspotential.
Linda Tellington Jones hat den Weg gefunden, Feldenkrais für Pferde nutzbar zu machen. So können Pferd und Reiter profitieren.

Wer sich vor allem auf seine Willenskraft verlässt, wird hauptsächlich seine Fähigkeit entwickeln sich anzustrengen und sich daran gewöhnen, sehr viel Kraft für Handlungen zu brauchen, die er ebenso mit viel weniger, aber richtig gesteuerter und dosierter Kraft ausführen könnte.
Es soll nicht einfach eine Handlung durch eine andere ersetzt werden, es gilt vielmehr, die Art zu ändern, wie sie ausgeführt wird. Moshe Feldenkrais

 

Fallgeschichten:

Zufrieden
Romeo ist ein großrahmiger Warmblüter und brav, aber im Rücken festgehalten. In der Stunde machten wir eine Feldenkraislektion mit den Reiterinnen auf ihren Pferden. Sie lernten ihren Brustkorb zu drehen und ihre Arme frei zu halten, so dass die Zügelführung weicher wurde. Außerdem spielten wir mit verschiedenen Variationen der Zügelführung. Schon nach den ersten 2 "Stopps" für die Feldenkraisübungen im Stehen, begann Romeo sich lang zu machen und im Rücken weich zu werden. (In den "Spür-Runden" zwischen den Abschnitten der Feldenkraislektion reiten alle mit hingegebenen Zügeln.) Als die Zügellektion dazu kommt, und seine Reiterin Anlehnung herstellt, zeigt er sich erstmals im freien Vorwärts mit guter Schulterfreiheit und einem losgelassenen Rücken. Seine Reiterin freut sich: "Mein Pferd ist zufrieden :-)" Auch im Galopp bleibt er nun losgelassen und schwungvoll auf beiden Händen und fällt nicht mehr durch.

Schwerpunkt auf die Hinterhand
Anja reitet ein Gangpferd. Er ist hoch und schlank, so ist es für ihn nicht so einfach seine Balance unterm Reiter zu finden. Seine Tendenz ist es schnell zu werden, um das auszugleichen. Wir beschäftigen uns in der Stunde mit der Bewegung der Rippen und der Differenzierung des Schultergürtels mittels der Feldenkraisarbeit. Ihr Pferd beginnt taktreiner zu werden. Anja entwickelt ein Gefühl dafür, ihren Schultergürtel auf ihrem Brustkorb abzulegen. Wir machen den Test. Anja geht ein klein wenig nach vorne, 1 - 2 cm vielleicht, ihr Pferd wird eilig. Sie findet zurück zu dem Gefühl den Schultergürtel auf dem Brustkorb abzulegen und ihr Pferd setzt sich sofort mehr auf die Hinterhand, und geht mit raumgreifenden Bewegungen in schöner Balance. In dem Tempo, das Anja sich wünscht.

Motivation:
Im gleichen Kurs machte die Reiterin einer Friesenstute genau den gleichen Prozess, nur beginnt ihr Dressurpferd durch die neue Balance wieder freudig vorwärts zu gehen, statt triebig und lustlos zu laufen.

Vorwärts:
Willy, ein Warmblut, kam in den Kurs mit dem Wunsch seiner Reiterin, dass er besser vorwärts geht. In der ersten Stunde lernte sie in ihrem Körper die Bewegung ihres Pferdes aufzunehmen, durch ihren Körper zu lassen und nur über die Visualisation den Raumgriff zu verkleinern und wieder zu vergrößern. Und Willy ging schön vorwärts im Schritt.
Danach lernte sie noch Wendungen leicht zu reiten, ihre Zügelführung etwas zu verbessern, und noch mehr Flexibilität in ihrem Hüftgelenk zuzulassen.
Zum großen Erstaunen derer, die Willy kannten, ging er die 3 Tage im Kurs gut und locker vorwärts-abwärts, mit schwingendem Rücken, für alle erstaunlich: Ohne Gerte oder Sporen, ohne anstrengendes Vorwärtstreiben der Reiterin