von und mit andern lernen

 von und mit andern lernen

"Ich hatte schon mal einen Kurs bei Anke mitgemacht und freute mich schon auf diesen speziellen Tellington TTouch-Kurs. Das Programm wird ja immerauf die Wünsche der Teilnehmer abgestimmt und ich war gespannt was mich und meine zwei Pferde erwartet. Ich wollte unbedingt zu meiner Haflinger Stute, die schon im letzten Kurs dabei war, eine von meinen Jährlingstuten mitnehmen. Ich konnte mich allerdings nicht wirklich entscheiden und machte dies davon abhängig welche der beiden sich problemlos verladen lassen würde. Tags zuvor besorgte ich einen Anhänger und machte eine Probeverladung. Das klappte mit beiden reibungslos und ich stand wieder vor der Entscheidung. Soll ich die brave selbstgezogene Tochter meiner Haflingerstute mitnehmen, oder unsere zugekaufte Kaltblutstute, mit der ich einige Probleme hatte? 
Ich hab mich dann für meine zwei Haflinger entschieden und bin am Samstag morgen losgefahren. Pünktlich um 9.00 Uhr ging es dann los! Jeder sollte sich vorstellen, seine „Probleme“ mit dem Pferd erklären und was er sich von dem Kurs erwartet. Anke machte sich zu jedem Notizen und erklärte uns dann wie der Kurs ablaufen könnte. Es wurden einige Hauptpunkte festgelegt: Fahren vom Boden, Körperbandagen, Körperarbeit (Ttouches) und Halsringreiten. Dann wurden die Ttouches erst mal an den Menschen ausprobiert. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass der Mensch sagen kann, ob es ihn angenehm ist oder nicht. Jeder suchte sich einen Partner den er touchen durfte. Bedingung war, dass nur eine Seite mit diesen speziellen Kreisen bearbeitet werden sollte. Nach der Behandlung standen die Gettouchten auf und erklärten was sie fühlten. Bei den einen war ein Kribbeln in der ganzen Körperhälfte zu spüren, andere hatten das Gefühl mit dieser Seite einen besseren Kontakt zum Boden zu haben. Als wir mit dem Üben fertig waren, war auch schon Mittag und wir beschlossen danach gleich mit den Pferden zu beginnen. 
Die erste Pferderunde bestand aus meiner Jährlingsstute, einer 5jährigen Haflingerstute, und zwei Haflingerwallachen. Zuerst wurde uns die Führtechnik erklärt und wir durften üben. Plötzlich stürmte ein herrenloses Pferd durch die Halle. Es war die Haflingerstute, die schon beim Hereinführen einige Probleme machte, weil sie nicht ohne ihren Freund in die Halle gehen wollte. Sie war viel zu aufgeregt und konnte nicht auf die Signale ihrer Führerin achten. Aus diesem Grund führten wir sie dann in der Brieftaube, einer Führposition, in der auf jeder Seite des Pferdes ein Mensch mit Gerte geht. Es dauerte eine Zeit bis wir sie soweit hatten aufmerksam mitzumachen, dann wurde aber sofort unterbrochen, denn man soll immer aufhören wenn es gerade am besten geht. 
Mein Pferd wurde unterdessen von jemand anderes gearbeitet und verstand die Aufgaben auch sehr schell. Was mich besonders faszinierte, war das Fahren vom Boden aus. Mein „Baby“ hat sich total erwachsen verhalten und super mitgemacht. Wir arbeiteten mit der Kleinen max. 20 Minuten, denn für ein Jungpferd ist es noch schwierig sich solange zu konzentrieren. 
Am nächsten Tag wurden zuerst noch mal die Basispunkte, wie Führpositionen geübt. Die Stute die am Tag zuvor noch verstört durch die Halle raste und ohne ihren Freund nicht denken konnte, war wie ausgewechselt! Sie arbeitete fleißig mit und achtete auf die Signale ihres Menschen. Wir haben sie mit Körperbandagen gearbeitet und vom Boden aus gefahren. Die Körperbandagen wurden ihr auch um die Vorderbeine gewickelt, um ihr Klarzumachen, was sie mit ihren Füßen macht. Sie hatte nämlich die Angewohnheit, mit den Vorderhufen zu scharren, wenn sie ungeduldig wurde. Durch die Beinbandagen wurde dieses Verhalten zu unserem Erstaunen immer seltener gezeigt. Am Ende des letzten Kurstages wurde noch das Halsringreiten versucht. Zuerst natürlich noch mit Helfer, der das Pferd führte. Diese Hilfestellung wurde aber schnell überflüssig, da die Pferde schnell verstanden, was von ihnen verlangt wurde. Es war anfangs schon ein komisches Gefühl, das Pferd so ohne Zügel und Gebiss zu reiten, aber für die Pferde war es offensichtlich sehr angenehm. Anke beantwortete dann noch viele Fragen und wir verabschiedeten uns mit dem guten Gefühl wieder was gelernt zu haben. 
Mit den Tipps die mir Anke gegeben hatte, was die Beinprobleme meines Kaltblut-Jährlings betrafen, hatte ich in kürzester Zeit die größten Erfolge! Ich freu mich schon auf den nächsten Kurs! 
Steffi"