Sitzartenwechsel

Leichter traben in allen Sitzarten

Unsere Pferde reagieren auf kleinste Veränderungen in unsere Balance. Eilen, weglaufen oder schleppend langsamen Bewegungen können neben gesundheitlichen Einschränkungen, ein Zeichen dafür sein. Ein Grund dafür ist, dass unser Körper, außerhalb seiner optimalen Balance auch mehr Muskeln braucht um oben zu bleiben, und dadurch die Muskeln für die Bewegung der Gelenke belegt sind.

Das bedeutet: Für unser Nervensystem ist es eine Priorität dafür zu sorgen, dass unser Kopf nicht auf den Boden fällt. Ist unser Körper aufrecht, trägen unser Knochen uns, es werden nur wenige Muskeln gebraucht. Sind wir etwas auserhalb dieser angenehmen Aufrichtung, werden viele Muskeln aktiviert, mitzuhelfen, den Kopf oben zu behalten. Bewegung wird anstrengender.

Ein einfacher Test zeigt was ich meine. Setzten oder stellen Sie sich aufrechte hin, lassen Sie ihre Arme locker vor und zurückschwingen, ohne Anstrengung, spielerisch. Dann lehnen Sie sich etwas vor oder zurück, probieren Sie erneut- Sie werden feststellen, dass die Arme weniger leicht schwingen. Das gleiche passiert in unseren Hüftgelenken. Während Sie vielleicht noch problemlos ein Beinschwingen lassen könne wenn sie aufrecht sind, wird es schon schwerer wenn sie mit dem ganzen Körper etwas nach vorne kommen.

Wir übermitteln unseren Pferden unsere Körperspannung ebenso wie die Freiheit unserer Gelenke. Also blockiert ein Pferd mit einem Reiter der nicht frei und balanciert sitzt auch seine Bewegung. Treiben kann ein Pferd evtl. schneller machen, leichte und elegante Bewegungen entstehen jedoch nicht. Das Pferd macht kurze Schritte, je nach Charakter eilt es weg oder schleicht.

Eine Möglichkeit die Balance und Freiheit des eigenen Körpers zu überprüfen und zu verbessern ist die Sitzarten zu wechseln. Reiten Sie 7 Schritte im Leichttraben, 7 Schritte aussitzen und 7 Schritte im Entlastungs- oder Balancesitz. Wechselt das Pferd bei dem Sitzartenwechsel seinen Gang in Takt oder Geschwindigkeit zeigt das fehlende Balance oder Steifheit der Gelenke des Reiters. Durch den steten Wechsel beginnt der Körper bald eine neue Aufrichtung zu suchen. Die Übergänge werden fliesender, der Reiter kommt in Balance. das Pferd kann ungestörter laufen. Losgelassenheit und Takt entsteht.

Ist eine Sitzart schwierig, kann man in dieser auch weniger Tritte verbringen.

Um eine weitere Idee zu bekommen, wie man sich in den Sitzarten in Balance bringen kann, arbeite ich gerne mit der Galionsfigur von Sally Swift. Hierbei steht der Reiter ganz auf, als wollte er vor dem Sattel sitzen, Hüft- Knie- und Fußgelenk werden geöffnet.

Um nun zurück in den Sattel zu kommen, und dabei ganz weich zu landen, werden diese Gelenke zusammen wieder eingefaltet. Das Knie sinkt in Richtung vor den Zehen nach unten und der Reiter kann in Zeitlupe in den Sattel kommen. Foto Privat

Überprüfen Sie ob alle Gelenke mitspielen, indem sie versuchen, ganz kurz bevor sie im Sattel sind noch mal aufzustehen. Können Sie leicht und ohne Anstrengung jederzeit die Richtung wechseln beginnen sie es im Schritt und schließlich auch im Trab zu reiten.

Idealerweise lässt man sich dabei anfangs führen, damit man die Hände frei hat um sich auszubalancieren, wenn man doch noch mal das Gleichgewicht verliert.

           Gallionsfigur hilft die Hüftgelenke zu öffnen
   
Stehen Sie jedes Mal mit der Idee auf, sich vor den Sattel zu setzten, wenn das Becken wirklich nach vorne kommt, müssen die Füße nach hinten, und der Reiter bleibt mehr oder weniger gerade. Bleibt das Becken hinten, neigen sie sich zuviel nach vorne, das Pferd kommt auf die Vorhand.

Beim einsitzen kann die Idee helfen, sich auf die eigenen Fersen setzten zu wollen. So bleiben die Füße unter dem Becken und es ist leicht wieder aufzustehen.

Wenn sie dann mit der gleichen Idee, aber nur halb so hoch aufstehen, haben sie eine neue Idee für ihr Leichttraben, Wenn Sie kurz vor der Sattelfläche gemütlich stehen bleiben können, haben sie den Balancesitz entdeckt. Mit den Füßen unterm Becken ist ihre Aufrichtung leichter, ihre Hüftgelenke werden freier, aussitzen wird angenehmer.

Auch im Galopp ist der Sitzartenwechsel möglich, die Galionsfigur nur dann, wenn man das Becken wirklich nach vorne bringt. Lassen Sie sich beobachten oder fotografieren und schauen Sie ob sie wirklich wie die Figur an der Schiffsfront auf ihrem Pferd stehen. Mit weit geöffneten Gelenken und freiem Brustkorb. Ihr Pferd wird es Ihnen danken.

Sitzartenwechsel verbessern jede Sitzart: Hier Pferdewirtschaftsmeisterin Andrea Conradi, anfangs noch mit angespanntem Rücken und hohen Fersen, nach den Wechsel in Balance Fotos: privat
 
Mögliche Fehlerquellen sind:

· Fersen hochziehen in der Galionsfigur = Gleichgewichtsverlust! Hilfe: In der Vorstellung steht der Fuß am Boden, so dass der Absatz nach unten schwingen kann.

· Das Hüftgelenk wird nicht geöffnet = Reiter fällt nach vorne. Hilfe: Bewegung so organisieren, also wollte man wirklich vor dem Sattel sitzen.

· Beim Einsitzen wird das Kniegelenk nicht gebeugt Reiter fällt in den Sattel, bzw. Zeitlupenbewegung ist nicht möglich oder anstrengend. Der Schenkel bewegt sich vor und zurück. Hilfe: In der Vorstellung ein Abendkleid glatt streichen beim Hinsetzten

· Die Knie drehen sich zum Sattel während des Wechsels à das Pferd pariert durch. Hilfe: Denke Knie weit beim einsitzen, Knie zeigen Idealerweise über die Linie zwischen großem und Zeigezeh. Klemmende Knie stoppen die Bewegung der Hüftgelenke und des Beckens

Die Sitzartenwechsel eigene sich sehr gut zum Lösen des Pferdes und zur Überprüfung der Losgelassenheit von Pferd und Reiter. Sie lassen sich auch hervorragend im Gelände üben.

Jesmond hatte keine Balance, er hielt sich an den Zügeln fest und fiel bei jedem einsitzen dem Pferd in den Rücken.
Durch die Sitzartenwechsel lernte er seien Füße unter sein Becken bringen, die Hände wurden frei. Sine Stute lief sofort runder.