Erfahrungsbericht

Arbeitsbericht über 1 Woche: Lösen eines steifen Pferdes mit Connected Riding, Heuallergie

1. Mai
Nach 4 Wochen Nichtstun ist die 18 jährige Stute, die diesen Winter ein heftiges Lungenproblem bekam, steif wie nie zuvor. Das sonst lauffreudige Pferd folgt nicht dem Anführen in Rotation. Nur mit Gertenaktivierung ist sie in Gang zu halten. Ihre Vorderfüße ziehen deutlich den Pferdekörper, gehen ist mühsam. Dennoch legt sie auf der Koppel ab und zu einen kurzen Galopp ein, auch dabei wirkt das edle Pferd sehr plump und steif.

Ich beginne mit Backendruck, Raupe und Schulterdruck, sowie Schulterausstreichen. Es verändert sich nur wenig. Zum Führen nehme ich die Gerte mit, sonst ist sie nicht in Gang zu bringen, sie stockt bei jeder engeren Wendung. Sie atmet nur flach. Es fällt ihr schwer die Beine unterszusetzten. Zum Stoppen nutze ich die äußere Leine mit, es ist mittelschwer sie auf die Hinterhand zu schieben, sie macht sofort einen Ausfallschritt. Ihr Gewicht ruht vor allem auf dem einem Vorderhuf, der andre trägt wenig. Um ihre Augen entstehen Falten bei der Arbeit.

Ich steige kurz ohne Sattel auf und reite am Halfter. Sie fühlt sich an wie ein Faß, ein festes Holzfaß. Über Becken und Beine kann ich Rotationen reiten, zum Kopf und Genick komme ich nicht durch. Es fühlt sich extrem steif an. Es fällt mir schwer meine innere Rumpfmuskulatur aktiv zu halten. Jeder Schritt ist anstrengend.

2. Mai
Wieder schließt sie die Augen, wenn ich sie in Rotation anführen will. Ich beginne die Schulter zu lösen mit ausstreichen und Schulterdruck, ich hebe sie unter den Achseln etwas und bewege das Brustbein hin und her.Ich versuche die Welle und schiebe die einzelnen Wirbel. Dann spiele ich noch etwas mit dem Kreuzbein lösen.
Sie konzentriert sich und steht still. Mit der Zeit steht sie sichere auf 4 Beinen, am Ende sucht sie jedoch wieder öfter Entlastung am rechten Hinterbein.
Gerade das Schulter ausstreichen hilft ihr, sie beginnt den Kopf abzudehnen und lässt sich nun leichter anführen.

Wieder steige ich ohne Sattel auf, diesmal jedoch mit Trense. Wieder habe ich das Gefühl ein Faß zureiten, doch etwas mehr Bewegung ist in ihr, es macht den Eindruck als stecke sie in einer zu engen Haut.

Um ihrer Lunge eine Chance zu geben, lasse ich sie nach einer Weile antraben. Sie möchte nicht, es ist sehr schwer. Ich übergehe den Trab und beginne mit kurzen Galoppreprisen. Das liegt ihr mehr, auch wenn es ihr schwerfällt, hat sie Spaß dabei. Ich achte auf weiche Hüftgelenke und versuche im Körper immer zu rotieren. Sie galoppiert fast ausschließlich im Rechtsgalopp. Ich überlasse ihr die Wahl. Nach dem 2. 100 m Galopp beginnt sie abzuschnauben, sie wird immer munterer. Schließlich suche ich eine längere Strecke (250 m) sie hält durch, beginnt danach sogar etwas zu bocken. Ich stoppe das allerdings. Auch beim nächsten Galopp. Das Galoppieren macht sie freier, das Bocken täte ihr vielleicht gut, aber ich will nicht, dass sie unterm Reiter bockt.
Kurz nach dem Absteigen ist die Atmung normal. Nur wenig Sekret, ich mache ein paar Zickzacks auf dem Rücken als Dankeschön.

3. Mai
Heute morgen war ich für 20 min nur für Körperarbeit hin. Habe die Schulter in allen Varianten gearbeitet und die Welle probiert. Sie fängt früher an zu kauen, zu lecken und die Augen sind weniger verkniffen. Manchmal entlastet sie den linken Hinterhuf noch. Wenn ich sie wieder drauf stelle mache sie einen Ausfallschritt, bleibt dann aber den Huf belastend stehen. In der Welle bewegt sie sich hinten mehr als vorne.
Es ist deutlich dass sie ihr linkes Vorderbein nicht gerade nach vorn schwingt, sondern etwas nach außen. Ich würde gerne mit Schulterdruck in der Wendung arbeiten, aber dann stockt sie sofort. Sie mit der Gerte in Bewegung zu halten hatte nicht viel gebracht, also wollte ich da erst noch nicht wieder hin.

Mittags habe ich dann gesattelt. Ich wollte ins Gelände um länger Galoppstrecken zu finden, und habe die ersten 500 m geführt. Ich habe mit dem Bogen laufen begonnen, zuerst gingen nur wenig Schritte, es hat sich dann aber schnell verändert. So daß ich einen 1/3 Kreis laufen konnte. Es war schwer sie in Gang zu bringen. Immer wieder nach 2 – 3 Schritten stehen geblieben, Schulter und Gurtlagendruck, Raupe, evtl. etwas Backendruck. Und wieder mühsam ein paar Schritte. Nach den ersten 100 m wurde es besser, ich lies sie dann auch am losen Seil laufen, das war schwerer, also wieder in Kontakt mit nur gedachter Rotation. Nach der halben Strecke wurde sie wacher, ging von alleine weiter. Ich war nur auf einer Teerstraße und nicht mehr auf dem Feldweg und konnte schöne kleine S Linien laufen. Noch kein Wahsinnsschritt, aber immerhin dauerhafter Schritt mit der Idee zu gehen.

Dann stieg ich auf, sie fühlte sich nicht mehr so fest an, doch war ich eindeutig Last. Ein paar weitere Rotationen und sie zeigte deutlich, dass sie Lust hatte nun in den Wald zu gehen. Sie wollte auf die Galoppstrecke. Also ritten wir dahin. Ich kümmerte mich hauptsächlich um meine innere Rumpfmuskulatur und machte ein wenig Halfterleinen gleiten. Ein wenig Trab, noch fest und schwer, und dann ca. 200 m später galoppierten wir auf an. Ich hatte wieder das Gefühl, das ihr Galopp leichter fiel als Trab, weil sie da ihr tragenderes Bein auch bevorzugen konnte.

Ich achtete weiterhin auf Rotation in mir, lies die Zügel aber locker, brachte immer wieder meine Beine nach vorne in Froggy legs und experimentiert mit Leichtraben oder Entlastungssitz. Die Galoppreprisen waren erst wieder kurz, aber sie hatte Freude daran. Auf dem Rückweg der „ halbe Stunde Runde“ lies ich sie die Rennstrecke hinunter traben es geht sanft bergab, achtete auf meine Froggy Legs, und etwas Kontakt, Atmung, Rotation und Innere Rmpfmuskulatur. Sie ging mehr und mehr auf, d.h. der Trab wurde besser und besser, zwischendurch auch nur schneller, aber dann kam auch etwas Schwung in den Rücken. Gern stützt sie sich in dieser Phase auf dem Zügel ab, denn stellte ich ihr aber dazu nicht zur Verfügung, sie sollte ihr Gleichgewicht in sich finden, blieb darum am Gleiten und sie suchte ihre eigene Balance. Ihre mangelnde Kondition und Steifheit lies sie im Trab bleiben.

Zurück auf dem Aspahltstück wollte sie weiter traben. Ich lies sie ganz langsam und rotierte dabei weiter um sie weich zu halten. Die Idee nach Hause zu kommen war stark. Sie legte immer wieder Tempo zu, ohne weich zu werden. Ich probierte den „Rennsitz“ mit aufgestützter Hand auf dem Mähnenkamm. Er veränderte kurzfristig was, aber dann konnte sie es ignorieren und wurde immer schneller. Also musste ich an die Zügel, um nicht im Stechtrab über die Straße zu rasen. Die letzte lange Wiese lies ich wieder galoppieren, sie lief flott, aber kein Renntempo, dafür fühlte sie sich nicht sicher oder beweglich genug. Am Stall angekommen ritt noch ein paar Meter Wendungen im Schritt. Sie war noch immer fest, aber doch in allem freier und insgesamt wieder lebendiger.

4. Mai
Eigentlich wollte ich ihr heute einen Ruhetag geben, doch als ich zum Stall kam, wirkte sie steif. Sie wollte gerne, dass ich was für sie tue, und ich bat sie mir in den Stall zu folgen für die Körperarbeit. Sie kam sofort mit (freilaufend)
Ihre Rücken war ok, kein Muskelkater, keine Verspannungen. Die Schulter war sehr frei, ich konnte selbst wenn sie den Kopf wegdrehte hinter die Schulter rutschen mit meinen Händen. Sie trug kein Halfter und arrangierte den Kopf selbständig so wie sie es notwendig fand.
Ich begann mit der Welle und die Schulterpartie war viel freier als vorher. Der Schwung ging in Vor- und Hinterhand fast gleich gut. Links war sie etwas fester als rechts.
Dann kratze ich die Punkte zum Aufwölben des Beckens, das bereitetet ihr Schwierigkeiten, sie wich nach vorne aus. Also schaukelte ich erst etwas das ISG, und probierte wieder. Das gleiche Ergebnis. Da sie immer noch da blieb, machte ich weiter mit der anderen Seite, etwas Schaukeln, es fühlte sich auch fest an. Ich bat sie zu gehen, dabei konnte ich sehen, dass sie in der Linkswendung das innere Bein noch immer nach außen schwang, also folgte ich ihr mit etwas Druck auf die Schulter. Sie blieb nach 2 Schritten stehen und sah sich nach mir um, ich machte etwas Welle auf der Seite und folgte ihr damit einen Schritt weit.

Dann ging sie voraus und ich legte meine Hände an ihre Sitzbeinhöcker, das hilft mir persönlich  immer sehr (also wenn ein Feldenkraislehrer dass mit meinen Sitzbeinhöckern macht) . Auch sie bekam einen deutliche Vorwärtsimpuls dadurch und trabte an. Dem konnte ich allerdings nicht lange folgen und musste loslassen. Sie parierte wieder durch. Der Schritt war immer noch etwas gezogen, aber anders.

5. Mai 2007
Heute ist TTEAM Arbeit angesagt. Eine KOllegin ist da und macht “Beinkreise”. Sie ist sehr steif, vor allem hinten (welche Überraschung). Sie sagt sie ist links vorne und hinten leichter zu kreisen. Dann probiere ich noch das Hüfte lösen nach Peggy und verbinde das mit Phythonhebern an der Innenseite der Hinterbeine. Die Schulterpartie wirkt insgesamt freier, das ISG ist deutlich blockiert. Becken strecken geht noch nicht. Octopuss ist ok, nur das  letzte Streichen über das ganze Becken mag sie nicht. Sonst findet sie alles klasse.

6. Mai
Die Stute lässt sich leichter führen. Ich mache heute nur etwas Körperarbeit, vor allem wieder Hüfte drücken, ISG schaukeln und Welle. Dann nehme ich sie mit als Handpferd in den Wald, wobei sie im Wald frei laufen darf. Erst kommt sie im Schritt kaum nach. Sie ist schwerfällig und zäh. Auch im Wald bleibt sie weit hinter uns. Erst nach kurzen Galopps wird das besser. Auf dem Heimweg ist sie flotter, aber immer noch nicht energievoll

7. Mai 2007
Heute ist sie freier. Sie geht schon morgens mit breiteren Hinterbeinen die Wiese hoch, nicht gerade aber breiter. Normaler. Ich beschliese heute zu reiten.
Sie läßt sich gut führen, Ich mache etwas Welle, die deutlich freier ist, und auch die Pushs auf Schulter, Rippen und Hüfte gehen viel besser durch. Insgesamt ein bewegliches, gut gelauntes Pferd. Beim Ausritt geht sie von Anfang an gerne und besser vorwärts. Schon auf der 1. Wiese bietet sie mir aus dem Trab Galopp an, und schließlich fegen wie wie der Wind über eine Galoppstrecke. Sie hat Riesenspaß am Laufen, und auf dem Rückweg trabt sie auch wieder rund und langbeinig. Die „Pelle“ ist weg.  Ich freu mich, dass sie wieder laufen will. Und auch ihre Lunge macht gerne mit.

Anke Recktenwald